Dachau/Neues Verkehrskonzept beschlossen

„Mobilitätsentwicklung verschlafen"

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Die Doppel-Ampel an der Kreuzung Münchner Straße empfängt bereits Bluetooth-Signale.

Dachau - Im Pressegespräch erläuterte Oberbürgermeister Florian Hartmann das vom Stadtrat beschlossene Verkehrskonzept von Dachau.

Bei städtischen Bussen solle der Zehn-Minuten-Takt zwischen 5.30 und 20.30 Uhr eingeführt werden und ein 20-Minuten Takt von 22 Uhr bis Mitternacht. In Kraft treten solle nach Aussage des Oberbürgermeisters Florian Hartmann der verstärkte Busverkehr zum kommenden Winterfahrplan. In einem Pressegespräch erläuterte Hartmann die neuen verkehrspolitischen Offensiven der Stadt Dachau. Aufgrund der Beschlüsse im Stadtrat in der letzten Woche werden die geplanten Maßnahmen den innerstädtischen Verkehr merklich entzerren. Möglich werde das durch den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), informierte Hartmann. Hartmann hofft, dass damit mehr Menschen das städtische Bus-Angebot nutzen werden. Die von Landrat Stefan Löwl (CSU) favorisierte Kombination einer Nord- und Ost-Umfahrung, für deren Ausbau als Staatsstraßen der Freistaat zuständig sei, sagte Hartmann, seien erst in rund zehn Jahren zu realisieren. Vor dem Bau der Umgehungsstraßen müsse aber erst das Kleeblatt an der Autobahn A92 Höhe Ruderregatta Schleißheim ausgebaut und die Bundesstraße B471 bis nach Dachau verbreitert werden. Alles andere mache verkehrsplanerisch keinen Sinn, betonte Hartmann. Ein großes Problem aber sei, dass dem staatlichen Bauamt Mitarbeiter fehlen und daher die Kommunen auf das Baurecht fünf bis sechs Jahre warten müssten, die Realisierung könnte dann nochmal so lange dauern. Deswegen ist es Hartmann wichtig, dass die Stadt an einem Verkehrskonzept arbeite, unabhängig vom Ausbau der Umgehungsstraßen. Die Umrüstung der städtischen Busflotte auf Elektroantrieb dauere noch, aber die Förderanträge seien eingereicht, denn die Kosten für eine Umrüstung übernehme zu 90 Prozent der Staat, betonte Hartmann. Die weitere Maßnahme zur Verkehrsbeschleunigung ist die Stadtrat abgesegnete Busbeschleunigung durch ein Bluetooth-System. Ein vom Bus ausgesandtes Funksignal wird von der Ampelanlage erkannt und die Ampelschaltung dann so eingestellt, dass der Bus die Kreuzung während der Grünphase passieren könne. Möglich gemacht werde das durch die Ausrüstung von 32 Ampelanlagen und der Stadtbusse mit Bluetooth und einem speziellen Bus-Handy. Die Bluetooth-Technik stelle dann sicher, dass die Busse den ganzen Tag über Vorfahrt genießen. 805.000 Euro sei der Stadt die Umrüstung wert. Hartmann betonte, dass Dachau damit ampeltechnisch bayernweit vorne liege, Freising beispielsweise verwende das Bluetooth-System lediglich zur Erfassung des Verkehrsflusses. Ein Nebeneffekt dieser Hightech-Technik ist, dass die Bluetooth-Signale von Verkehrsteilnehmern mit Freisprechanlage, die die Ampeln automatisch empfangen, zusätzlich ausgewertet werden können. „Wir sehen, wie lange ein Fahrzeug braucht, um von einer Ampel zur nächsten zu kommen. So merkt das System, wo gerade ein Stau ist. Im Grunde wissen wir damit in Echtzeit, wie unsere Straßen belastet sind.“ fasste Hartmann die Vorteile zusammen. Sorgen um den Datenschutz konnte Hartmann zerstreuen. „Es werden keine Bewegungsprofile der Verkehrsteilnehmer erstellt, denn die empfangenen IP-Adressen werden codiert empfangen und der Schlüsel werde wieder gelöscht, beruhigte Hartmann. Eine Beschleunigung des Fußgängerverkehrs mit einer Freigabe der Fußgängerampeln mit automatischem Grünlicht lehnte mit zweidrittel Mehrheit der Stadtrat ab. Zu groß war die Angst vor einer Behinderung des Autoverkehrs. Das heißt die Fußgänger müssen weiterhin länger warten und per Knopfdruck grünes Licht anfordern. Den Umstieg vieler Dachauer auf den ÖPNV soll indirekt durch mögliche Reduzierung der Stellplätze für Autos oder für das neue Quartier Augustenfeld durch den Verzicht auf Stellplätze herbeigeführt werden. Bis zum Sommer sollen Ideen aus der Bürgerbeteiligung für ein neues Fahrradkonzept herausgearbeitet und umgesetzt werden. Außerdem sollen sieben Mietfahrrad-Stationen der Münchnerverkehrsgesellschaft (MVG) im Stadtgebiet entstehen. Eine Gebühr soll erst ab 30 Minuten anstehen, das hieße bei geschickter Nutzung sei die Fahrradnutzung kostenlos, pries Hartmann die Ausleihe an. Damit der Umstieg auf das Fahrrad leichter falle. biete die Stadt seit Januar Fördergelder an, teilte Hartman mit. Bereits 18 Mal wurde die städtische Förderung von (Lasten-)Pedelecs für gewerbliche Nutzung sowie von Elektro-Rollern und Lastenfahrrädern auch für die private Nutzung in Höhe von 500 bis 1.000 Euro in Anspruch genommen. Die Richtlinien sind unter www.dachau.de/uploads/pics/Richtlinien_Foerderprogramm_Mobilitaet.pdf zu finden. „Der Ballungsraum München habe die eindeutig die Mobilitätsentwicklung verschlafen“, resümierte Hartmann die Verkehrsentwicklung der letzten Jahre.

kog

Quelle: Dachauer Rundschau

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