Dauerausstellung im Kräutergarten

Kräutergarten als Studienzentrum

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Drei von insgesamt sechs Gewächshäusern sind Am Kräutergarten noch zu sehen.

Dachau - Oberbürgermeister Florian Hartman befürwortet die Idee der KZ- Gedenkstätte, im Kräutergarten eine Dauerausstellung zu eröffnen.

„Kontrollierter Verfall“ heißt in der Denkmalpflege der Prozess, bei dem Gebäude ohne große Eingriffe, von allein bis auf das Fundament zerfallen. Die Glashäuser am Kräutergarten, die als Zeugnisse der Geschichte unter Denkmalschutz stehen, verkommen unkontrolliert. Das Ergebnis wird vermutlich dasselbe sein. „Dabei wäre es wichtig, diesen Ort als Erinnerung zu erhalten, um nachfolgende Generationen über die zeitgeschichtliche Bedeutung des ‚Kräutergartens‘ aufzuklären“, bemerkt Karl Hönle, Vorsitzender des Vereins „Zum Beispiel Dachau“. Bis zu 1.500 KZ-Häftlinge mussten in den Sommermonaten auf der sogenannten „Plantage“ schuften. Sie züchteten Gladiolen, aus denen Vitamin C gewonnen wurde, bauten Kräuter und Pflanzen an, die zur Heilung in der „Volksmedizin“ eingesetzt wurden. Dabei starben etwa 1.000 Häftlinge zwischen 1938-1945 bei dieser Arbeit, davon über 400 in den ersten Jahren bei der Kultivierung der Moorböden für die Gärtnerei. Weitere 41.000 Menschen wurden im Konzentrationslager ermordet. Der „Kräutergarten“ war ein Wirtschaftsbetrieb, der durch die Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen errichtet und aufrechterhalten wurde. Deswegen besteht seitens der KZ-Gedenkstätte die Vorstellung, das Gelände des Kräutergartens anzugliedern und dort eine Dauerausstellung zur Geschichte des Ortes zu eröffnen. Ebenso soll ein Studienzentrum mit Seminar- und Vortragsräumen für Besuchergruppen geschaffen werden, bestätigte Andrea Riedle, Leiterin der wissenschaftlichen Abteilung. Diese Idee befürwortet auch Oberbürgermeister Florian Hartmann: „Langfristig gesehen ist es die richtige Lösung“. Im Moment seien jedoch in dem ehemaligen Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude des Kräutergartens Obdachlose, Asylbewerber sowie Mietwohnungen untergebracht. „Wenn eine Ersatzunterkunft geschaffen wird, könnten die historischen Gebäude an die Gedenkstätte übergehen werden“, meinte Hartmann. Problematisch sei nur, dass das Gelände Am Kräutergarten der Stadt Dachau gehört, die Gedenkstätte sich jedoch im Besitz des Freistaats Bayern befindet. Und es bestünde seitens des Freistaats wenig Bereitschaft, Millionenbeträge in eine Ersatzunterkunft zu investieren.

yug

Quelle: Dachauer Rundschau

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