Helios Amper-Kliniken

Mit Trillerpfeifen und Transparenten zum Rathaus

+
Mit Trillerpfeifen und Transparenten zogen Pflegekräfte vom Helios Amperklinikum Dachau zum Rathaus

Dachau - Mit Trillerpfeifen und Transparenten zogen rund 130 streikende Pflegekräfte vom Helios Amperklinikum Dachau zum Rathaus.

Zwei Tage lang war das Pflegepersonal in einen Warnstreik getreten, um die Öffentlichkeit auf die schlechte Personalsituation aufmerksam zu machen. „Wir wollen gar nicht mehr Geld. Wir brauchen mehr Entlastung. Wir haben zu wenig Personal. Die Helios-Klinik muss dringend mehr Pflegekräfte einstellen. Die Zustände sind für uns und die Patienten unerträglich“, empörte sich ein junger Auszubildender, der namentlich nicht genannt werden wollte. Rund 130 Pflegekräfte hatten sich während des Warnstreiks an zwei Tagen in der Gaststätte Drei Rosen versammelt, um weiteres Vorgehen mit der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) abzustimmen. Am ersten Tag des Warnstreiks rief Christian Reischl, ver.di-Betreuungssekretär der Helios Amper-Kliniken, die Beschäftigen dazu auf, ihre Beschwerden zu äußern. „Vergleiche ich meine Dienstpläne mit denen vor drei Jahren, dann hat sich die Personalsituation auf den Stationen massiv verschlechert. Oft sind nur zwei Pflegekräfte auf der Station für 77 Patienten zuständig. Wir können so nicht länger vernünftig arbeiten“, empörte sich Ausbildungsleiterin Andrea Häußler - zustimmender Beifall. Die Stimmung an beiden Tagen des Warnstreiks war geladen. Denn die Streikenden berichteten von Einschüchterungsversuchen seitens ihrer Vorgesetzten, beispielsweise mit Ablehnung von Beförderungswünschen und Streichung von Fortbildungen. Die Vertreter des Kreistages Harald Dirlenbach (Bürgermeister von Vierkirchen) und Heinz Eichinger (Altbürgermeister von Vierkirchen), beide SPD, beteuerten, dass sie voll hinter den Forderungen der Streikenden stünden, dass aber der geringe Aktienanteil (5,1 Prozent) des Landkreises keinen großen kommunalen Einfluss auf die Geschäftsleitung des Klinikums erlaube. „ Es fragt sich, wie es soweit kommen konnte. Doch nur durch den Verkauf der kommunalen Anteile an den Konzern vor einigen Jahren“, erwiderte ein Streikender. Landesfachbereichsleiter von ver.di, Robert Hinke, forderte als Streikziel einen gesetzlich geregelten Personalschlüssel, nur so ließe sich die Pflegesituation im Amper-Klinikum, aber auch bundesweit verbessern. Er rechtfertigte den zweitägigen Warnstreik nach dem eintägigen Ausstand im September, denn die Geschäftsführung mauere bei sämtlichen Fragen einer Entlastung ihres Personals, sobald es verbindlich werde, sogar eine Notdienstvereinbarung wurde diesmal verweigert. Jetzt gehe es darum mit den Forderungen des Pflegepersonals an die Öffentlichkeit zu gehen. Am zweiten Streiktag gab es deshalb eine Podiumsdiskussion im Lokal Drei Rosen, an der sich Vertreter der SPD, der Grünen und der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) beteiligten, die CSU war nicht dabei. Bundestagsabgeordneter Harald Weinberg (Die Linke) sprach sich gegen eine fortschreitende Ökonomisierung im Gesundheitswesen aus, das 2003 mit den Fallpauschalen begann. Gerade in kleinen Krankenhäusern sei der wirtschaftliche Druck sehr hoch, deshalb würde auch zu wenig Personal eingestellt. Beate Walter-Rosenheimer will sich bei den Koaltionsverhandlungen für die Interessen der Pflegekräfte stark machen. Bundestagsabgeordneter Michael Schrodi (SPD) versprach eine wirksame Opposition im Bundestag. In einer Presseerklärung ließ Klinikgeschäftsführer Thomas Eberl mitteilen: „Den von ver.di initiierten Warnstreik betrachten wir als vollkommen unangemessen. Wir bieten derzeit eine deutliche Tarifsteigerung und haben ver.di zudem weitere Angebote unterbreitet, mit denen wir die Arbeitsbedingungen unserer Beschäftigten positiv weiterentwickeln.“ Oberbürgermeister Florian Hartmann schimpfte: „Die Klinikleitung sagt, es wird immer besser, aber es wird immer schlechter.“

kog

Quelle: Dachauer Rundschau

Auch interessant:

Meistgelesen

Jeder sollte Demenz Partner sein
Jeder sollte Demenz Partner sein
Gedenkfeier zur Pogromnacht mit Zeitzeuge
Gedenkfeier zur Pogromnacht mit Zeitzeuge
Autoarmes Wohnen
Autoarmes Wohnen
Neuer Infostand direkt am „Laufstrom“
Neuer Infostand direkt am „Laufstrom“

Kommentare